Wer war Hildegard von Bingen

Alte Pergamentrolle mit Rosmarin und Kerzenlicht für Hildegard von Bingen Leben und Weisheiten bei Kräuterstille
Ein Licht in der Dunkelheit – Hildegards Visionen leuchten bis heute.
Wer war Hildegard von Bingen? Eine Reise durch Visionen und Widerstand

Wo Visionen zur Sprache kommen, wenn die Welt schweigt – eine Reise durch das Leben einer Frau, die zwischen Himmel und Erde stand. Ihre Worte waren nicht nur Lehren, sondern Segen für die Seele, ihr Mut ein Lied für alle, die nach Licht suchen, wenn es dunkel wird.

Frühe Visionen und der Eintritt ins Kloster

Hildegard von Bingen wurde im Sommer 1098 als zehntes Kind der Edelfreien Hilbert und Mechthild von Bermersheim geboren. Schon als fünfjähriges Mädchen begann sie, über einzigartige Visionen zu sprechen – den Glauben, dass diese Gabe allen Menschen gegeben sei. Doch als sie merkte, dass ihre Erfahrungen anders waren, schwieg sie. Die Visionen waren ihr oft unangenehm, und sie versuchte sogar, sich gegen sie zu wehren.

Mit acht Jahren trat sie, gemäß der Tradition des „Zehnten Teils“, in das Kloster Disibodenberg ein. Dort wurde ihre Erziehung von Jutta von Spanheim übernommen. Da das Kloster ursprünglich ein reines Männerkloster war, stiftete ihr Vater eine Klause, in die Jutta gemeinsam mit Hildegard und einem weiteren Mädchen einzog. Zwischen ihrem 14. und 17. Lebensjahr trat Hildegard endgültig dem Benediktinerorden bei. Die Gemeinschaft der Schwestern wuchs stetig, und als Jutta im Dezember 1136 starb, wurde Hildegard von den Schwestern zur neuen Magistra gewählt.

Der göttliche Auftrag: Von der Krankheit zur Gesundheit

Im Jahr 1142 erhielt Hildegard von Gott den Auftrag, ihre Visionen niederzuschreiben. Doch sie zögerte und haderte mit sich selbst. Sie weigerte sich zunächst, den Auftrag umzusetzen – und wurde daraufhin krank. Erst als sie sich endlich dazu entschloss, ihre Visionen aufzuschreiben, wurde sie wieder gesund.

Sie vertraute sich ihrem Beichtvater Volmar an, der sie bestärkte und ihr half, zu glauben, dass ihre Visionen von Gott stammen. Volmar wurde zu ihrem Sekretär und vermittelte zwischen ihr und Abt Kuno, der schließlich die Erlaubnis gab, die Visionen niederzuschreiben.

Die Anerkennung durch die Kirche

Bereits 1147 war ihr Werk so weit fortgeschritten, dass eine kirchliche Anerkennung notwendig wurde. Abt Kuno legte das Werk dem Erzbischof von Mainz vor, der es dem Papst Eugen III. übergab. Der Papst war so beeindruckt, dass er den anwesenden Bischöfen und Kardinälen aus dem Buch vorlas. Er gab Hildegard seinen Segen und bestätigte, dass ihre Visionen von göttlicher Natur seien.

Nun konnte das Buch beendet und konnten neue Werke begonnen werden. Gleichzeitig erhielt sie immer wieder Visionen, dass sie ein eigenes Kloster gründen sollte – inklusive des genauen Ortes. Doch auch hier weigerte sie sich zunächst und wurde erneut krank. Erst als sie sich dazu entschloss, die Klostergründung anzugehen, wurde sie wieder gesund.

Trotz aller Widerstände von Abt Kuno von Disibodenberg wurde der Bau begonnen, und der Konvent siedelte 1150 in das neue Kloster Rupertsberg über. Durch die Gunst des Erzbischofs von Mainz und zahlreiche Schenkungen, unter anderem von Hildegards Familie, konnte das Kloster finanziell unabhängig existieren.

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Predigtreisen und der Kirchenbann

Zwischen 1159 und 1171 unternahm Hildegard mehrere Predigtreisen. Sie predigte selbst – was in dieser Zeit sehr ungewöhnlich war, da das Predigen Männern vorbehalten war. Einige ihrer Predigten sind bis heute erhalten.

Im Jahr 1173 starb ihr Sekretär Volmar, was für sie ein schwerer Verlust war, da er ihr wichtigster Unterstützer und Vertrauter gewesen war.

Doch nicht nur der Tod traf sie. 1178 wurde sie mit dem Kirchenbann belegt, weil sie einen exkommunizierten Edelmann auf dem Rupertsberger Friedhof bestattet hatte. Hildegard durfte an keinem Gottesdienst mehr teilnehmen, musste auf Gesang, Kommunion und Glockenläuten verzichten. Dieser Entscheid traf sie tief, und sie schrieb immer wieder dem Erzbischof von Mainz, der sich schließlich für die Aufhebung des Banns entschied.

Ein Vermächtnis, das über die Zeit hinausreicht

Hildegard starb nur wenige Monate nach diesem Entscheid am 17. September 1179. Es wurde berichtet, dass es nach ihrem Tod zu Lichterscheinungen über dem Rupertsberg kam. Zahlreiche Wunder und Heilungen wurden bekannt.

Ihr Vermächtnis besteht nicht nur aus ihren Büchern. Sie hinterließ über 70 Musikstücke und entwickelte sogar eine eigene Schrift, die Lingua ignota. Hildegard war für ihre Zeit hochgebildet und gilt als erste Mystikerin der europäischen Traditionen. Im Jahr 2012 wurde sie endlich, nach mehreren Versuchen, von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen und zur Kirchenlehrerin ernannt.

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