Wenn wir diesen Satz hören, denken wir vielleicht an die Schönheit und den Wert eines kostbaren Edelsteins. Doch für Hildegard von Bingen steckt darin eine viel tiefere, fast schon erschütternde Wahrheit über unsere Stellung auf der Erde.
Warum gerade ein Edelstein?
Hildegard verbindet den Menschen mit dem Edelstein, weil dieser Stein nicht einfach da liegt. Er ist entstanden aus Feuer und Wasser, die sich vereint haben, um etwas Neues zu schaffen. So auch der Mensch: Er ist das Ergebnis der Schöpfung, in der alles miteinander verbunden ist.
Aber das Wichtigste ist: Der Edelstein leuchtet. Nicht für sich selbst, sondern damit andere ihn betrachten können. Hildegard sagt, dass in diesem Glanz die gesamte Schöpfung sich betrachtet. Der Mensch ist nicht nur ein Teil der Natur, er ist ihr auch ihr Spiegel. In ihm sieht die Schöpfung sich selbst, und durch ihn sieht Gott seine eigene Schöpfung.
Hildegard vergleicht den Menschen mit einem Edelstein, weil dieser nicht nur passiv existiert – er ist das Ergebnis eines lebendigen Prozesses, in dem Feuer und Wasser zusammenwirken, um etwas Einzigartiges zu erschaffen. So ist der Mensch für Gott kostbar wie ein edler Stein: Er ist das Ergebnis der Schöpfung, in der alles miteinander verbunden ist.
Aber das Wichtigste ist: Der Edelstein leuchtet. Nicht für sich selbst, sondern damit andere ihn betrachten können. Hildegard sagt, dass in diesem Glanz die gesamte Schöpfung sich betrachtet. Der Mensch ist nicht nur ein Teil der Natur, er ist ihr auch ihr Spiegel. In ihm sieht die Schöpfung sich selbst, und durch ihn sieht Gott seine eigene Schöpfung.
Der erste Engel geschmückt mit edlen Steinen und sein Fall
Um dieses Bild wirklich zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurückgehen. Hildegard erzählt in ihrer Physica von einem Ereignis, das sie im Licht ihrer Visionen sah:
„Gott hat den ersten Engel gleichsam mit edlen Steinen geschmückt. Da erhob sich sein Sinn, weil der Glanz der Steine, der an ihm war, in Gott strahlte, und er glaubte, dass er selbst Gleiches und mehr als Gott vermöchte – und deshalb ist sein Glanz erloschen, und er verlor den Schmuck der Steine.“
Der erste Engel war mit Edelsteinen geschmückt. Sein Glanz kam von Gott, aber er wollte selbst der Schöpfer sein. Er hielt den Glanz für seine Schöpferkraft. Deshalb stürzte er aus dem Reich Gottes.
Was sagt das über uns aus?
Der Mensch ist mit den edlen Steinen gleichgestellt – aber im Gegensatz zum gefallenen Engel, der seinen Glanz für sich selbst beanspruchte, ist der Mensch als Hüter der Schöpfung berufen. Gott hat ihm die Schöpfung anvertraut. Der Mensch soll nicht den Glanz für sich behalten, sondern ihn weitergeben, damit die Schöpfung sich in ihm spiegeln kann.
Ein Stein, der denkt und fühlt
Ein Edelstein ist stumm. Er leuchtet und fasziniert die Menschen schon seit Tausenden von Jahren. Der Mensch aber ist anders als ein glitzernder edler Stein: Er kann denken, er kann lieben, er kann wählen und handeln. Er kann sich entscheiden, ob er wie der gefallene Engel seinen Glanz für sich selbst nutzt oder ob er wie ein wahrer Hüter die Schöpfung in ihrem Glanz betrachtet und bewahrt.
Hildegard sagt:
«Da Gott dieses Werk vollendete, übergab er dem Menschen die ganze Schöpfung, damit er mit ihr wirken könne, und zwar in der gleichen Weise, wie Gott auch sein Werk, den Menschen, gebildet hatte.»
Warum haben wir das Gefühl, dass wir wichtig sind?
Vielleicht fühlen wir uns manchmal wie ein Stein, der in der Dunkelheit liegt, ohne zu leuchten. Aber Hildegard erinnert uns daran: Wir sind nicht einfach nur Steine. Wir sind Steine, die Gott als Hüter der Schöpfung ausgeschickt hat, damit wir die Schöpfung erleuchten und sie bewahren. Der Glanz, den wir ausstrahlen, ist nicht unser eigener – er ist ein Spiegel des göttlichen Lichts.
Eine Frage für dich zum Nachdenken:
Wenn die gesamte Schöpfung sich in uns betrachtet – was sieht sie dann? Sieht sie einen Spiegel, der das Licht reflektiert, oder einen Stein, der im Schatten liegt?
Hildegard von Bingen lädt uns ein, unser Leben so zu gestalten, dass der Glanz der Schöpfung in uns sichtbar wird. Nicht um uns selbst zu erhöhen, sondern damit andere durch uns die Schönheit und Ordnung der Welt wiedererkennen.