Heilwege der Schöpfung – Hildegards Visionen

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Das Buch der Steine Eine Einführung

Goldenes Kreuz aus der Zeit Hildegard von Bingens, besetzt mit glatten Cabochon-Edelsteinen wie Saphir, Rubin und Bernstein, auf Pergament neben einem Klosterbuch. Symbol für die heilende Kraft der Schöpfung und das Licht im Schatten.

Stell dir vor, du findest am Wegesrand einen ganz besonderen Stein und hebst ihn auf. Er liegt kühl in der Hand. Ist er schwer, vielleicht rau oder glatt geschliffen? Er ist ein Stück Erde, das du gerade berührst, geboren aus Feuer und Wasser. Für viele Menschen ist er nur ein Dekorationsgegenstand, ein Schmuckstück oder ein Stein am Wegesrand.

Für Hildegard von Bingen waren die Steine, vor allem die edlen Steine, jedoch viel mehr. Die edlen Steine mit ihrem hellen Glanz waren ein Symbol. Ein Symbol, das tief in der Schöpfung verwurzelt ist und eine Kraft birgt, die nicht nur dem Körper und dem Geist, sondern auch der Seele Gutes tut.

In ihrer Physica, dem Buch der natürlichen Schöpfung der Dinge, widmet sie ein ganzes Buch den Edelsteinen. Sie schreibt ihnen einen hohen Stellenwert zu, der unsere heutige Sichtweise oft fremd ist. Denn für sie waren Steine nicht nur Heilmittel gegen körperliche Beschwerden. Sie waren Wächter, Helfer und Spiegel für das, was in uns liegt. Sie sind nicht nur ein Heilmittel für den Körper, sondern ein Helfer, um zu zeigen, zu welchen guten Werken der Mensch fähig ist, wenn er seiner Natur folgt.

Der Schatten, der beleuchtet wird

Hildegard schreibt, dass der Teufel die Edelsteine nicht mag. Auf den ersten Blick wirkt diese Aussage fremd für unsere moderne Welt. Doch wenn wir diesen Gedanken unvoreingenommen und tiefer ansehen, öffnet sich eine verborgene Tür.

Sie erklärt uns, dass die Steine im Teufel Erinnerungen auslösen: Dass er Teil der Schöpfung war. Dass er es immer noch ist. Eine Rückkehr zur göttlichen Ordnung ist immer möglich – aber nicht für den Teufel.

Vielleicht sollten wir den «Teufel» nicht als eine Figur sehen, die böse ist. Vielleicht steht er für den Schatten in uns – den Teil, den wir ablehnen, verdrängen oder fürchten. Den Teil, der uns manchmal im Weg steht.

Edelsteine sind wie ein Spiegel, der diese Schatten in unser Bewusstsein holt.

Sie laden uns ein, den Schatten anzusehen, nicht um ihn zu verurteilen, sondern um ihn zu integrieren.

Hildegard selbst hat darüber nichts geschrieben. Und solche Gedanken waren ihr sicher fremd. Aber wir dürfen diesen Gedanken in den Raum stellen. Wir dürfen die edlen Steine nutzen, um den Schatten in uns zu sehen und ihm zu begegnen.

Feuer und Wasser: Die Zeugung der Kräfte

Wie entstehen diese mächtigen Steine? Hildegards Vision gibt uns eine Antwort, die unsere Vorstellung von Natur und Heilkraft erweitert.

«Edle Steine und Juwelen entstehen im östlichen Teil (der Welt) und in jenen Teilen, wo Sonnenglut herrscht.»

Sie sieht sie als Kinder des Feuers und des Wassers. Nicht als totes Gestein, sondern als lebendige Zeugnisse dieser Elemente.

«Und so werden edle Steine von Feuer und Wasser gezeugt, deshalb enthalten sie auch Feuer und Feuchtigkeit und bergen auch viele Kräfte und haben auch viele Auswirkungen auf Werke, so dass mit ihnen viele Handlungen geschehen können, aber doch nur Taten, die gut und ehrbar sind und dem Menschen nützlich sind.»

Dieses Zitat ist der Schlüssel zu Ihrem Verständnis der Physica. Es zeigt uns, dass wir die Steine nicht nur nutzen können, um körperliche Beschwerden zu lindern. Hildegard zeigt uns auf, unser Leben und unsere Taten auf das Positive auszurichten. Der Stein wird zum Werkzeug, das unsere Handlungen lenkt. Nicht, weil er uns zwingt, sondern weil er uns eine Möglichkeit gibt, in uns das Gute zu entdecken und danach zu handeln.

Schutz, Licht und Freude

Hildegard sieht die Steine als Schutz vor dem Teufel. Sie helfen uns, das göttliche Licht zu sehen, das sie in ihren Visionen so oft beschreibt.

Sie machen uns klar, dass wir ein Teil der Schöpfung sind.

«Aber wie Gott Adam in eine bessere Richtung erneuerte, so erlaubte Gott nicht, dass Glanz oder Wirkkraft dieser edlen Steine untergingen, sondern wollte, dass sie auf der Erde wären zur Ehre,Segen und zur Arznei, wie sich auch der Mensch mit ihnen schmückt.»

Die Steine sind zur Ehre, zum Segen und als Arznei in dieser Welt. Sie sind ein Geschenk G ottes, das uns hilft, lichtvoller zu werden.

Die Steine wurden aus Hildegards Sicht nicht nur zum Heilen erschaffen, sondern auch zur Freude Gottes, der Engel und nicht zuletzt auch zur Freude des Menschen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Gott uns nicht nur etwas gibt, um heil zu werden. Er hat uns die Steine geschenkt, um uns mit ihnen zu schmücken und sie zu tragen als Symbol für das göttliche Licht, das die Schöpfung erhellt und auch in uns leuchtet.

Persönlichkeitsentwicklung durch die edlen Steine

Steine können auch zur Persönlichkeitsentwicklung genutzt werden. Nach Hildegards Weltbild bringen sie das Gute und Schöne im Menschen hervor und stärken es. Sie sind nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Begleiter auf dem Weg zu einem erfüllten Leben.

Wenn Du einen Stein in die Hand nimmst, frage Dich: Was zeigt er mir? Welchen Schatten beleuchtet er? Welche guten Taten kann ich mit ihm vollbringen?

Die Steine mit ihrem Glanz können helfen, das Gute in uns zu sehen und es zu kultivieren.

Schau sie an und du siehst durch ihr Strahlen und Funkeln die Freude, die Gott empfand, als er sie erschaffen hat.

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