Stille finden- Den Raum in dir öffnen Schreibe ein Tagebuch der Stillet
Stille finden - Den Raum in dir öffnen
Stille in dein Leben integrieren – Ein Weg mit Hildegard von Bingen
Hildegard von Bingen wusste, warum sie die Stille suchte. Sie wählte bewusst die Ruhe des Klosters und das Gebet, nicht weil sie keine anderen Bedürfnisse hatte, sondern weil sie wusste, dass sie anders war als die Menschen ihrer Umgebung. Für sie war die Stille kein leerer Raum, sondern ein lebendiger Ort – ein Mittel zur Zwiesprache mit dem Licht, das lebt. In der Stille konnte sie ihre Visionen reflektieren, einordnen und verstehen.
Heute ist dieser Weg nicht mehr so einfach.
Die Wälder, in denen wir spazieren gehen können, um uns zu erholen, werden immer kleiner. Unsere Arbeitsplätze sind voller Lärm, Monitore blinken, Nachrichten strömen ununterbrochen, Musik hallt durch Supermärkte, Einkaufszentren und öffentliche Räume. Smartphones beschallen uns rund um die Uhr. Oft fühlen wir uns am Ende des Tages so erschöpft, dass keine Energie mehr bleibt, um Stille zu finden. Selbst wenn wir den Lärm nicht mehr bewusst wahrnehmen – er kostet Kraft. Besonders hochsensible Seelen werden von dieser lauten, schnellen Welt überfordert. Körperliche Symptome sind oft die Folge dieser ständigen Überreizung.
Doch Hildegard wusste um die Kraft der Stille: Stille ist nicht die Abwesenheit von Lärm, sondern die Anwesenheit von innerer Ruhe.
«Gott hat alle Dinge der Welt so eingerichtet, dass eins auf das andere Rücksicht nimmt.»
Wenn wir die Welt aus dieser Perspektive sehen, verändern sich belastende Situationen. Die Last wird leichter, wenn wir Mitgefühl statt Widerstand wählen.
Aber wie findest du diesen inneren Ort, wenn die äussere Welt so laut ist?
Eine Möglichkeit, die Hildegard noch nicht kannte, aber die ihr wahrscheinlich sehr gefallen hätte, ist: «Das Tagebuch der Stille».
Der Irrweg der Suche
Oft versuchen wir, Stille zu finden, indem wir Orte suchen, Kurse buchen oder Workshops besuchen. Doch auch das kann anstrengend sein, wenn wir nicht wissen, wonach wir eigentlich suchen.
Ich habe einen anderen Weg gefunden. Anstatt den Ort für Stille zu suchen, Ich habe einen Weg gefunden der mir klare Anhaltspunkte und ein Bild davon gibt, was ich suche. Vielleicht ist der Weg ja auch für dich hilfreich.
Du brauchst nicht viel:
Ein Notizbuch
Einen Stift
Mehr nicht.
Dein Tagebuch der Stille
Beginne damit, zu reflektieren: Was ist Stille für dich persönlich?
Es klingt einfach, ist es aber oft nicht. Eine vage Vorstellung von Stille hat jeder. Doch was Stille ganz konkret für dich bedeutet, wo du sie findest und was sie dir gibt – das ist schwer zu fassen.
Ich habe Wochen gebraucht, bis ich eine genaue Vorstellung davon hatte, was Stille für mich persönlich ist und was sie mir bedeutet. Seitenlang habe ich geschrieben, Gedanken ohne Filter, ohne Korrektur, ohne Kritik. Ich habe nichts durchgestrichen. Ich habe nicht gelesen, was ich geschrieben hatte, bevor ich fertig war.
Das sind die Regeln für dein Tagebuch der Stille:
Schreibe alles auf, was dir in den Sinn kommt.
Schreibe alle Gedanken zum Thema Stille auf – auch wenn es ähnliche Gedanken sind die du schon früher aufgeschrieben hast.
Lass deine Gedanken so fliessen, wie sie kommen. Verändere nichts und versuche nicht die Gedanken zu kontrollieren.
Lies dein Tagebuch nicht sofort. Gib dir Zeit.
Sei ehrlich. Es ist dein Raum, den nur du betrittst und nur du beurteilst.
Du wirst keinen Literaturpreis gewinnen, weil deine Worte so gewählt sind. Aber du gewinnst etwas viel Wertvolleres: ein klares Bild davon, was dir wirklich wichtig ist.
Lass die Kontrolle los. Sie blockiert dich nur.
Wenn der Einstieg schwerfällt
Wenn dir der Prozess fremd erscheint und du dich blockiert fühlst, beginne einfach damit:
Wie ist das Wetter heute?
Wie hast du geschlafen?
Was gab es zum Frühstück?
Was hat dir heute Freude gemacht?
Welche Musik hast du gehört und welche Gefühle hat sie ausgelöst?
Oft kommt in diesem Moment der Übergang. Du beginnst, Gedanken zu schreiben, die mit dem Thema zu tun haben, über das du eigentlich schreiben willst. Es wird leichter.
Der rote Faden
Wenn du deine Gedanken über einen längeren Zeitraum aufschreibst – ohne sie zu lesen –, gewinnst du Vertrauen. Du verlierst die unangenehmen Gefühle, die am Anfang immer wiederkehren. Bei mir war es Scham. Ich schämte mich für meine Gedanken. Mit der Zeit wurde diese Scham leiser und verschwand dann ganz.
Irgendwann war ich bereit, das zu lesen, was ich in den vergangenen Wochen geschrieben hatte. Und dann fand ich einen roten Faden. Ich wusste genau, was ich brauche und wie es weitergeht.
Mit der Zeit wurde mir klar: Das Aufschreiben und Reflektieren selbst war der Ort der Stille. Ein Ort, den ich einfach und immer wieder besuchen konnte.
Dein praktischer Weg zur Stille
Möchtest du den Prozess noch strukturierter angehen und konkrete Impulse für deine Reflexionen haben?
Lade dir hier mein kostenloses PDF herunter: Tagebuch der Stille – 15 Reflexionsfragen & Tipp
Das PDF enthält:
Eine einfache Anleitung für den Einstieg
15 gezielte Reflexionsfragen zum Thema Stille
Tipps, wie du dein Tagebuch effektiv nutzt
Mehr zur Stille und Hildegard
Ein kraftvoller Abschluss für deinen Weg
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie Stille im Alltag des Lärms gelebt werden kann und wie du die Perspektive auf schwierige Situationen veränderst, habe ich einen weiteren Artikel geschrieben:
Stille finden – im Lärm der Welt
In diesem Artikel erzähle ich, wie ich gelernt habe, Stille nicht als Flucht zu leben, sondern als Kraftquelle, die ich in den Lärm hineintrage.
Hildegard hat uns gezeigt, dass das Paradies nicht an einem Ort liegt, an dem es keinen Lärm gibt. Das Paradies entsteht, wenn du die Augen öffnest und siehst, dass Stille die Verbindung zu allem, was ist, dich hält.
Suche deinen inneren Ort der Stille. Kultiviere ihn. Und wenn der Lärm zu gross wird, dann hör nicht auf den Lärm. Lausche der Musik, die in dir lebt.